UNKONTROLLIERT

Da stelle ich die Tasse auf den Tisch und sage, dass ja wohl ganz allgemein immer zu wenig differenziert werde, und dann stelle ich die These zum Disput, dass Schnee nur deshalb als schön empfunden wird, weil der Mensch erstens einen Archetypen mit sich herumträgt, der sagt: Wenn Schnee fällt, dann können wir leichter den Spuren von Rehen folgen und haben am Abend Gulasch, und zweitens, weil besonders in der Stilepoche der Romantik, während jener Liebe mit Besitz gleichgestellt wurde und es immer hieß: Du mein, Ich dein, Dichter und Sänger das diffuse Gefühl kommender Völlerei nicht bis in seine letzten Tiefen reflektiert und stattdessen auf halbem Weg aufgehört haben, darüber nachzudenken, nämlich kurz bevor sich Schönheit (also eine Harmonie innerhalb von Verhältnissen) und Gut (also ein Plus an Haben) voneinander trennen und jedes sein eigener, wahrhaftiger Bereich wird. Man kann sich Schminke über den Schnee denken, aber man tut der Schönheit damit Unrecht an. Der reinen, einzigen, unteilbaren, echten Schönheit, der Schönheit, die mit Beschönigung nichts zu tun hat.

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Die Sonne scheint
mir geht es gut
ich habe einen neuen Hut

Heinz Krösus liegt seit mehrere Minutn uffn Teppich*

*dieser Text als Beispiel, wie es nicht geht. Er ist viel zu lang, total kompliziert, und man merkt an jedem zweiten Satz die falsche Erzählhaltung. Dementsprechend laut war das Gähnen im Publikum, als ich ihn vorlas. Komisch, dass ich das vorher nicht gemerkt habe. Nagut, die Hälfte des Textes hab ich bekifft geschrieben, was man auch an den Rechtschreibfehlern merkt (ich weise hiermit diesbezüglich auf die grandiose Wortschöpfung „Enttschäuscht“ hin). Manchmal lache ich dann zu viel über meine eigenen Witze, und merke nicht, dass sie überhaupt nicht transportiert werden.
(Achja, und die „Timoschenkos“ hab ich von Ahne geklaut, aber nur, um ihn damit zu grüßen)

Hallo, Heinz Krösus det bin ick, und ick liege seit mehrere Minutn uffn Teppich. Ick hab mich nich mit Absicht hier hinjelegt, ick bin hinjefalln, wobei et schon sein kann, dettick mit Absicht hinjefalln bin, also von so´ne Art Absicht her, die man selber janich weeß in Kopp. Det meeßte, watt man macht, weeß man ja nich. ßum Beispiel Jehn. Wenn man jeht, dann weeß man det nich, man jeht einfach, wobei det eigntlej ooch so´ne Art Falln is, nur det man sej, bevor man uffn Bodn uffklatscht, mitn Fuß rechtßeitej abfängt, und dieser Teil von Jehn, is bei mir ebn numa ausjefalln, nich, weilick vonne Motorik her ne Panne jehabt hätte, sondern weilick mitn SanscoussiLatschn anne Teppichkante hängjebliehm bin. Man hebt ja die Füße nich, wenn man mit SanscoussiLatschn looft, da looft man nich, da jeht man ooch nich, da latscht man denn, oder schlurft und Latschn oder Schlurfn jeht nur, wenn die Strecke, die man ßurücklegt, absolut ebn is, also Null, wie in Sanscoussi der Marmorfußbodn, – und so´ne Teppichkante is nu mal größer als Null, watt die Höhe betrifft, und da binnick denn jestolpert und jetzt lie’ick hier uffn Teppich deswegn.
Und, ehrlich jesacht, det jefälltma hier. Ick hätt ja ooch uffstehn könn längst und die blödn SanscoussiLatschn ausn Fenster werfn, die wolltick ja sowieso nie ham, die sind mir ja uffjeßwung wordn von meene letzte, ick nennt jetzma Lappalie, Mingjungfong, die son Sauberkeitstick jehabt hat, von den ick fast irre jewordn bin.
Det haick ja vorher nich jewußt, wieick die kennjelernt hab in ihrn Orientnladn inne Langhansstrasse. Da hatse ja bloß immer hinter Kasse jesessn un zun Fernseher ruffjekieckt, der da über die Einjangstüre hängt, und hat janich mitjekriecht, wer bei ihrn Orientnladn inn und ausjeht, selbst bein Kassiern hatse immer nur über een rüberjekiekt, mit son abwesendn weltverjessnen Blick ßun Bildschirm, chinesischet Staatsfernsehn, Schlagerrevuen aus Schanghai hauptsächlej, mit janz plärrijen Jesang oder Reklame für Fälschungn von klobije Armbanduhren.
Ick bin ja in den Orientnladn bloß rin, wenn ick ma wieder Wasabi-Erbsn jebraucht hab, ick wohne janz obn, da kann det eehn schon uffn Sack jehn mit die Vögel draußn uffn Balkon und sowat wie Privatsphäre kenn die ja nich und von Toxoplasmose ham die ja ooch noch nie jehört wahrscheinlej, da haick einfach nachne Weile immer Wasabi-Erbsn ausjelecht, also jetrocknete Erbsn mit Meerettich drumrum, und da hamse denn mit meim Balkon irgndwann schmerzhaftn Stuhljang assoziiert und sich lieber bei Timoschenkos uffn Balkon jesetzt, ooch wenn der bloß Stiefmütterchen hat, und Petersilie, und so´ne Dose Wasabi-Erbsn, die reicht numa die halbe Saison, und da warick natürlej für Mingjungfong als Kunde und schonjarnej als Mensch ooch nur ansatzweise überhaupt vorhandn, aber denn is da in Orientnladn wiederma meen Schwager Lutz Schmächtej rinnjestolpert, der jrade bein BFC jewesen war, Derby jegn Langeweile Wilmersdorf, wo Langeweile kurz vor Schluß noch´n Ausgleich ßun siebßehn ßu siebzehn jeschafft hat, und det, obwohl BFC laut Lutz Schmächtej janz klar die überlegene Mannschaft jewesn war, und da war denn nach Abfiff der janße BFC-Pulk mit Lutz Schmächtej mittnmang uff Spielfeld jerannt um det Erjebnis ßumindest moralej wieder richtejßustelln, womit logischweise die beedn Langeweile-Ultras nich einverstandn warn, die ihre Mannschaft bis Köpenick begleitet hattn, aber watt solltnse machen ßu ßweet jegn vierhundert, und da hamse ihrn Anwalt anjerufn, und der hat innerhalb von fünf Minutn ne Einstweilje Verfügung erwirkt, die denn über Stadionlautsprecher vorjelesn wurde, dettet Anhänger des BFC-Dynamo bis uff weiteres nich mehr erlaubt sei, weiterhin mit Holzlattn uff die Köppe der Spieler des Sportclubs Langeweile Wilmersdorf einßuschlagn, und in dem Oognblick, da hatte Lutz Schmächtej schon irjndwie den Gloom an Rechtsstaat verlorn, aber watt solltense machen, also is er jenau wie die andern von Spielfeld jetrottet, und war, so wie er et ausjedrückt hat, Enttschäuscht vonne Bundesrepublik Deutschland, und da hatter sej denn vorjenomm, sich det nichmehr jefalln ßu lassn und n ßeichn ßu setzn und Amok ßu loofn, und is denn, alßer wieder in Weissnsee war, ersma na Hause jeloofn um det Luftjewehr ßu holn, und denn Langhansstrasse in Orientladn, um Kastn Bier und ßwee Flaschn Nordhäuser Doppelkorn ßu koofn, wer jeht schon jerne nüchtern uff Amok, – aber in Orientladn hattense nur Chantré, und weit und breit keen Nordhäuser Doppelkorn, und da is Lutz Schmächtej ßiemlej wütnd jewordn uff den Orientnladn, hat druff verßichtet, den Kinderjartn inne Streustraße ßu stürmen, und sej glej an Ort und Stelle verschanzt. Det Problem war nun, det jrade an den Tach Mao-Tse-Tung Jeburtstag hatte und Mingjungfong ausschließlej Oogn fürn Fernseher, also für die Jroße Kostümjala uffn Platz des Himmlischn Friedns und, weilse so jebannt in Fernseher jekiekt hat, da konnte Lutz Schmächtej mit seim Luftjewehr rumfuchtln wie er wollte, jegn die Wirbelnden rotn Röcke vont uigurische Volkstanzangßambl isser einfach nej anjekomm, also hatter sej ersmal uffn Bierkastn jesetzt und ne Pulle Chantré uff Ex, watt andret jabs ja nich, und jewartet, det der Karneval da inne Glotze zun Ende kommt, aber wiet numal so is mitte Chinesn, die feiern ja immer glej ßehntausnd Jahre, also in übertragnen Sinne jetz, und Lutz Schmächtej blieb nischt andret übrej, als sich ne neue Flasche Chantré ßu greifen und denn noch eene und denn noch eene, und dit obwohl er schon die dritte nich mehr uff Ex jeschafft hatte, und denn die janße ßeit dieses Didelelidelit von die janzn chinesischn Bratschn, da hatter denn erst so Müdichkeitsßuckungn jekriecht, und is denn von eem Moment ßun andern janz wegjesackt, und denn, wohl weil sein Körper numa nich vollständich die Kontrolle verliern wollte, hat sej der eene Finger von Lutz Schmächtej versucht, an Abßuch von Luftjewehr festßuhaltn, und den runterjeßogn, und da hat sich natürlej in Schuss jelöst, und det Jewehr stand in son unjünstjen Winkel, dettet Diabolo voll Karacho in den Satellitnrießiever jekracht is, der Feng-Shui-Mäßej direkt uffn Fernseher über die Einjangstür jelegn hat, und dit jrade während die traditionell besonders harmonej und farbenfroh arrangierte Hinrichtung der üblichn ßwanßej Regimekritiker, watt für viele Chinesn den Höhepunkt von den Mao-tse-Tung-Festlejkeitn darstellt, und da hat Mingjungfong plötzlej bloß no Schnee inne Antarktis jesehn und iss natürlej, nachdemse ersma ßirka ßwee Minuten doof inne Röhre jekiekt hatte wien Schwein int Uhrwerk, komplett ßurückjerutscht inne Wirklejkeit und, wiese mitjekricht hat, det sej Lutz Schmächtej in ihrn Ladn befindet, und denn ooch noch den janzn Chantré ausjesoffn hatte, komplett kungfumäßej ausjerastet, und hat nich nur Lutz Schmächtej ßerlegt, sondern gleichßeitej ooch noch die halbe Ladneinrichtung, und wiese damit fertich war, hattse plötzlej n Matrielln jekriecht und die Taschn von Lutz Schmächtej durchwühlt, wo se denn neben der abjerissnen Eintrittskarte von BFC jegn Langeweile bloß noch Lutz Schmächtej sein Handy jefundn hat, und die eenzje Nummer da in Speicher, det is numa meene und da hat bei mir numa kurz darauf det Telefon jeklingelt und denn hießet Schimpftirade aushaltn, wobei ick die janße ßeit natürlej keen eenßjet Wort verstandn habe, aber schon dettet wohl irgndwie chinesej war und weil ick an Display jesehn hab, dettet Lutz Schmächtejs Handy war, und gleichßeitej wußte, det Lutz Schmächtej den Chinesischn nej mächtej is, und vonne Uhrßeit her BFC schon vorbei war, haick sherlockmäßej jeschlußfolgert, det der Anruf wohl ausn Orientnladn kommn mußte, wo Lutz Schmächtej immer nachmittags nach Heimspiele rinnjeht, um Nordhäuser Doppelkorn ßu koofn, obwohlet da nur Chantré jibt. Obwohl vonne Lautstärke davon ausßujehn war, det in Orientnladn janzschön die Kacke an Dampfn war, und obwohl eigntlich jrade jarkeene ßeit hatte, weilick jrade ausn Fenster jekiekt hab, haick mir denn trotzdem uffjerappelt, um ma nachn rechtn ßu sehn, und wie ick in Orientnladn eintreffe, seh ick da Lutz Schmächtej mit Luftjewehr inmittn von leere Chantréflaschn liegn, der janße Fußbodn voll von Wasabi-Erbsn und anne Wand die kleene Mingjungfong mit Trän inne Ooogn, wiese mir ihrn Satellitnrießiever hinhält. Nun binnick ja keen Elektrofritze, aber dettet Ding kaputt war, det war janz eindeutich ßu erkenn an dem Loch inne Frontseite, det hat mir da schon leidjetan, ick meene, ick wußte ja, dettet Mädchn abhängich war von chinesischet Staatsfernsehn, so wie Lutz Schmächtej von Nordhäuser Doppelkorn oder ick von außn Fenster ßu kieken, und da ick ßu Hause über een funktionstüchtjen Satellitnrießiever verfüje, haick Mingjungfong anne Hand und mit na Hause jenomm, haick ihrn Sessel hinjestellt inne Küche, und Fernseher, und paar Wasabi-Erbsn daßu, Friede Freude Eierkuchn.
Erßma jenfalls. Fürn paar Tage. Watt ick aber vorher nich wußte war, dettet chinesische Staatsfernsehn inne Nacht den Sendebetrieb instellt, also watt in China Nacht is, und bei uns Mittach, und det Mingjungfong, um det Nichvorhandnsein von uigurische Tanzangsambels ßu kompensiern, jenau in die ßeit immer n irrwitzjen Putzfimml entwickelt, wahrscheinlej hatte deswegn um die Uhrßeit ooch immer der Orientnladn ßujehabt, und det nu, nach ner Woche oder so, meene Wohnung aussah wie jeleckt, so dettick mich janich mehr jetraut hab, mich irgndwie ooch nur von eem Fleck ßun Andern ßu bewegn, in joldnen Käfej soßusagn, und det haick wirklej nich ausjehaltn, und hab mich inner Küche jestellt und jesacht: So Mingjungfong, so jehtet nich weiter! Ick kann ja in meene eigne Bude nich mehr loofn!
Ick wees nich, wieset jemacht hat, aber an nächstn Morgn denn lagn bei mir vorn Bett die beedn SanscoussiLatschn, mit den´ ick mich denn ersma abfinden musste, ick hab mich da so einjefügt in Schicksal, ohne, det ick watt dajegn ßu unternehm jekonnt hätte, reine Jewöhnung, – Aber denn, vor ßwee Wochn, hamse plötzlej die janße Satellitnscheiße uff Digital umjestellt, und ick hatte von eem Moment ßun andern keen Empfang mehr. Watt sollick sagn, ick jeh in die Küche, Küche leer, keene Mingjungfong mehr da, nur noch paar Wasabi-Erbsn, und det eenzje, watt jebliem war, warn die SanscoussiLatschn. Und, Macht der Jewohnheit, binnick mit den bis ehm inne Wohnung rumjelatscht, oder jeschlurft von mir aus, und denn binnick über die Teppichkante jestolpert.
Tja, und jetzt lieg ick hier seit mehrere Minutn uffn Teppich. Is eigntlej janz anjenehm, so allet von untn ßu betrachten. Is jut, wenn man ma ne andre Perspektive hat. Ob ick Mingjungfong jemals wiedersehn werde, wiet Lutz Schmächtej jeht, und ob er ausreichnd Nordhäuser Doppelkorn kricht in Knast, ob die Vöjel nebenan die Timoschenkos mit Toxoplasmose anjesteckt ham, ob der BFC-Dynamo inne ßwölfte Stadtliga uffsteigt, oder ob ick je wieder uffstehn werde, um ausn Fenster ßu kiekn, det wees ick allet nich.
Aber eens weeßick. Det Leben jeht seltsame Wege. Ach nee, det weeßick ooch nich.

Ich bin anders als du
Du bist anders als ich
Wärst du nicht anders als ich
Wärst du ich

Heinz Krösus is so ßiemlich entspannt

Hallo, Heinz Krösus det bin ick und ick bin so ßiemlich entspannt. Normalerweise bin ick ja eher nich entspannt, weil, man wird ja nich in Ruhe jelassen die janße ßeit, ßum Beispiel von die Ämter, wenn die watt wolln, wo et schon deswegn nervt, weil man eigntlej janich wees, w a t t die eigntlej wolln, oder von Frauen, die ihre eigene Juckichkeit nich mehr unter Kontrolle ham, und denn een uff lustje Witwe machen, jedn Tach hundert Mal anrufn, Heinzi komm ma rüber, ick hab Schnapspralin. Jerade jetz, wo ick ja ooch berühmt bin, wegn meine anjeblije Heldntat, – ick hätte den Bürjermeister vielleicht doch nich auße Spree rettn solln, is ja schließlej nich meene Anjelegnheit, wenn der sich vollpumpt mit Kokain und Rotkäppchen-Sekt, und denn ne Runde mitn Motorboot dreht, mittn ßwischn die Touristnkähne, aber ick hab ja nich jewußt dettet der Bürjermeister is, der war ja nass und da sieht man anders aus als trockn, mehr wiene Robbe, wenn ick det jewußt hätte, hätt ich nich ma n kleen Finger, ach watt red ick, dit war überhaupt ßufall, dettick in die Jegnd jewesn war, da mank Museumsviertel, ick kenn ja die janzn Museen schon, nee, ick war nich wegn Marmorsäuln da, der Grund war Trödlmarkt, weilick die janzn Schlüpper loswerdn wollte, die sie so anjesammelt ham, seit die Waschmaschine kaputt is, also Trommelschadn jetz, und in Fernsehn warn Bericht jekomm, dettet in Japan an Bushaltestellen in Tokio und Bahnhöfen von Shinkansen-Express so´ne Art Kaujummiautomatn jibt, nur für jetragene Schlüpper eehm, wo die Japaner sowat denn koofn, weil die eehm numa jerne an jetragene Schlüpper dran riechn, und da haick mir jesacht, Heinz, haick jesacht, da wirste die altn Lappn doch no los, und der Trödlmarkt in Museumsviertel, dit is ja jarkeen richtjer Trödlmarkt, dit is mehr ne Touristnfalle, für die, die außn Perjamonmuseum komm und no keen Souvenir ham, und da sind ooch Japaner mit bei, und dahaick son Stück abseits, wo man keene Standmiete mehr beßahln muss, direkt anne Spree an Jeländer, n Handtuch ausjebreitet und meene Schlüpper druff drapiert, und gerade, wie ick die erstn Japaner jesichtet hab, jeht hinter mein Rückn, also unten vonne Spree her, ein riesen Jeschrei los, und wie ick mir umdrehe, um ßu kieken, seh ick, det det Jeschrei von son Rentnerpulk uff de Balustrade von een von die Touristendampfer kommt also von det Deck oben druff, Oberdeck, jenau, Oberdeck, und die ßeigen alle in eene Richtung, won umjekehrtet Motorboot in Wasser liegt und danebn in Mann mitn Armen fuchtelt, wo det ma nich so aussah, als wenner nur winkn täte, und nache erste Schrecksekunde denk ick: Wieso machn dien nischt? Jut, im Nachhinein haick mir jedacht, vielleicht wußtn die det ja, dettet der Bürjermeister is, kann ja sein, detter vorher von sein Motorboot een uff volkstümlej machen wollte und den Rentnern staatsmännej zujewunkn hat, und det die Rentner ausn Altnheim kommen hier inner Stadt, wo davor seit ßwanßej Jahren die Jehwege nich jemacht wurdn, dettse nich soo jut ßu sprechn jewesn sind uff den, – aber denn hättense ooch nich rumschrein müssen und fremde Leute mit rinnßiehn, et blieb mir ja nischt andret übrej, eener musstet ja machen, und schließlej haick nich umsonst Schwimmstufe 3, also haick mir die Schuhe ausjeßogn, bin an Jeländer runterjehangelt, hab mir int Wasser falln lassn und hab den Mann anne Mole jeßogn, heilje Scheiße haick jedacht, ick hab wen det Lebn jerettet. Aber wie ick denn wieder hochjeklettert war, um, wegn Abtrocknen, det Handtuch ßu holn, wo ick meene Schlüpper druff anjebotn hatte, da war keen einzjer mehr dajewesn von die Schlüpper, und von die Japaner war ooch nischt mehr ßu sehn. Wenigstens hattenset Handtuch liegnlassen.
Det warn Trara, als det rauskam, dettet der Bürjermeister war, den ick jerettet hatte. Titelbild uffe Schweine-BZ: Heinz Krösus, Held des Tages, soja die Ehrnbürjerschaft von Wilmersdorf hamse mir anjebotn – soweit kommts no, den Präsentkorb vonne SPD, erbärmlej, Knäckebrot und Johannisbeersaft, den hattick in ßehn Minutn leerjefressen, aber wegn det Titelbild, da war ick plötzlej Mode jeworn bei weibliche Jeschlecht, und die ham mich bis vor Kurzn nich in Ruhe jelassn. Die meistn von den sind ßwar leider vonne SPD jewesn und vonne Art so ähnlej wie der Präsentkorb, aber eenßwee Wochn haick det schon ausjenutzt, jeb ick ßu. Ick meene, da war ick jahrelang uffe Pirsch und denn kommt dir plötzlej ne ßiegnherde vor die Flinte, hallijalli wär ßwar watt andret jewesn, warn schließlej magere ßiegen, aber man muss die Feste feiern wiese komm, und möglichst noch bevor se jehn.
Meen Schwager Lutz Schmächtej, der verpaßt ja oft den Moment, wenn die Feste vorbei sind, und det is meisten ßiemlich unvorteilhaft. Bei der großn BFC-Gala, Ende April, ßum Beispiel, in Mehrßweck-Würfel Hohenschönhausen, mit Wolfgang Lippert, hatte Lutz Schmächtej, obwohler bereits n halben Kastn Berliner intus hatte, bein Torwandschießn ne Flasche Absinth jewonn und war denn, alßer die ausjetrunkn hatte, uff ne Speckscheibe ausjerutscht, und mitn Kopp in die Weinbrandbowle jeratn, wodrin er denn wohl mächtich nach Luft jeschnappt ham soll. Die andern Fans hattn ihn denn mit Jägermeister und Doppelkorn sojut et eehm jing wieder ßurechtjepäppelt aber denn det Interesse verloren, weil keene vernünftje Konversation mehr möglich jewesn war, und Lutz Schmächtej hat alleene uffn Stuhl jesessen und is nach ne Weile, ohne detdet irgndwer bemerkt hätte, so nach und nach untern Tisch jerutscht und da denn einjepennt. Alßer ßwee Tage später wieder uffjewacht is, war in gleichn Räumlejkeiten jerade die Jroße 1.FC-Union-Sause mit Achim Mentzel, aber Lutz Schmächtej hattet erst nich jeschnallt, weiler nich mitjekricht hatte, detter einjepennt war und wahrscheinlich wegen den Absinth seine Umwelt bloß noch verschwomm warjenomm hatte, und da sind denn die Jesänge, die er von sich jejehm hatte, nich mit den nötijen Respekt honoriert worden, kurzum, man hat ihn mitn Kopp in die Wermuth-Gin-Bowle jetunkt und denn draußn inne Mülltonne jesteckt. Nich dettet Lutz Schmächtej in den Moment no besonders fülle ausjemacht hätte, aber vorteilhafter wärt jewesn, wennet ihm bewußt jewesn wäre, wann det Fest ßuende is.
Und deswegn, weil jetz ooch ma langsam jenug is mit weibliche Jeschlecht, ick kann schon keene Schnapspralin mehr sehn, haick vorjestern meen Telefon ausse Buchse jeßogn, und da ick den Briefkastn oo nich mehr uffmache, werdick ßudem ooch nich mehr von Ämtern belästigt.
Jetz sitz ick hier, draußn uffn Hof, und bin so ßiemlich entspannt. Ick wees nich, watt die ßukunft bringt, ob denn die Vögel no sing, ob irgndwer meene Waschmaschine repariert, ob ick noch ne Frau finde, die nich so is wie Knäckebrot mit Johannisbeersaft, oder ob Lutz Schmächtejs Organismus mit die Schweineleber klarkommt, die se ihm verpasst ham, obick irgndwann aus Japan Fanpost wegn meene Schlüpper erhalte, det allet wees ick nich.
Aber eens wees ick: Die ßukunft, die wird erst no passiern!

Ich weiß nicht was ich will
ich weiß nicht was ich will
doch ich will was ich weiß
ich weiß ich will
ich will ich will
ich weiß ich will
ich will ich weiß
dass ich will

das will ich

Heinz Krösus wollte sein Neffen Devid abholn

Hallo, Heinz Krösus, det bin ick, und ick wollte meen Neffn Devid abholn jestern abend von Jugndklub, in Hohnschönhausn. Nich mit Absicht, oder vielmehr, nich freiwillig. Ick mußte.
Dit is nämlej so’ne Sache mit den Devid, – Pubertät! – Dreht ßiemlich an Rad in letzte ßeit, und der soll immer um acht ßu Hause sein, aber warer jestern Abnd nich, und da is jetz seine Mutter, also meene Schwester Gritte, aus alln Wolken jefalln, n Wolknbruch war det, det janße Taschntuch war volljeheult und Stück vonne Tischdecke. Eener mußte deswegn jetz in Jugndklub fahrn, na Hohnschönhausn, und Devid abholn, und weil Devids Stiefvater Lutz Schmächtej jrade von BFC jekomm war, mit mehr als nur ne BFC-Fahne, stockbesoffn, – und nu wie ne Eidechse uffn Sofa jepennt hat, hat Gritte ehm mich vaflichtet.
Ick kann ja meene Schwester nix abschlagn, ick mag die ja. Da jabs keene Ausredn: Musstick uffstehn und denn ßur Straßnbahn!

Unterwegs sin mir einjermaßn ßweifel jekomm, icke und Jugndklub, ick meene: in meen Alter! Da jibts do bestimmt Verständjungsschwierejkeitn, wenn ick frage, wo Devid is. Die redn do da janz anders. Und da binnick anne Haltestelle noch ma in ßijarettnladen jejang und hab nach ne Jugndßeitschrift jefragt, ne Bravo haick denn letztendlej jekooft, Sonderheft mit HippHOPP-Musike, watt ja Devid ooch hört von Stil her, und denn, inne M4, also erst M13 bis Antonplatz, und denn inne M4 haick ersma n bißchen jeübt. Motherfucker. Det jenfalls schien det wichtigste Wort inne Bravo ßu sein. Ick habs n paar ma vor mich hinjesprochn, bis icks intus hatte, die Leute ham jekiekt, aber et war ja ooch wichtich. Ick meene, ick musste mich ja durchfragn könn, in Jugndklub, und da wolltick ja nich wie von vorjestern erschein.
Als ick in Hohnschönhausn anjekomm war, hattick mir so ßiemlich allet ruffjeholfen watt der moderne Mensch von heute über HippHOPP Musike wissen muss. Anne Haltestelle haick mir ersma bißchen optisch anjepasst, n Kragn hochjeklappt, die Hose uff Hälfte Arschbacke runterjedrückt, Stück von Schlüpper hinten rausjeßogn, untn die Hosnbeene inne Sockn jesteckt. Denn binnick rüber ßu den Jugndklub jejang.
Vorne in Einjangsbereich standn glei paar von den HippHOPPern, bein Lochbillard, und weil Devid nich dabei war, haick erstmal inne Volln jegriffn. „Eh ihr Motherfucker“, haick jerufn, „weeß eener von euch Husos wo Devid is, der hätte nämlej um acht ßu hause sein jemußt, bei sein Homies.“

Aber die Jugndlichn ham so jut wie janich reagiert, nur eener, der hat sej kurz ßu mir umjedreht und durch mich durchjekiekt, aber mehr ooch nich. Fast so, als wennick janich dajewesn wäre. Icke also lauterjeworn: „Eh, ihr Spasten, wisster wo Devid is, der behinderte Krüppel, ick muss ihn int Ghetto bring, ßu seine Homies!“
Ick meene, ick hab nur vasucht, freundlej ßu sein, mich ßu integriern, wennick na Kanada auswandern wolln würde, würdick ja ooch ersma kanadisch lern, aber: Null Reaktion. Die ham det überhaupnich ßu würdjen gewußt. Icke noch een Versuch „Wo Devid is will ick wissn, ihr Mongos!“, da jeht do tatsächlej eener von die HippHOPPER die Treppe ruff und kommt mit so’ne Art Soßialarbeiter wieder, der wohl der Chef jewesn is vont janße, und der is ßiemlej unhöflej jeworn, ick solle mich vapissn und die Authistngruppe in Ruhe lassn, er wär schon froh, wenn die sej überhaupt mit sej selber beschäftjen würdn. Und Devid sei schon vor ne halbn Stunde nahause jefahrn.
Da hattick mir nu extra so’ne Mühe jejehm, und watt hattick davon? Jarnischt.
Wegn nüscht na Hohnschönhausn ßu fahrn, det war jenauso sinnlos wie bei Lutz Schmächtej vor ßwee Wochn an Wochnende, wegn BFC jegn Antichrist Wittnberg, auswärts in Lutherstadt Wittnberg wo et eigntllej um die Wurst jehn sollte, also Abstiegskampf jetz, inne vierßehnte Regionalliga, und wo der BFC-Fanclub, bei den Lutz Schmächtej Mitglied is, extra mit vier jemieteten Bussn runterjefahrn is, aber aus Versehn na Wittenberje statt na Lutherstadt-Wittnberg und in Wittenberje war überhaupt keen Fußballspiel, nichma Junioren-irgendwatt, nurn Schachturnier, wose denn stattdessn hinjejang sind, damitsewenigstns in bißchen rumgröln konntn bei ne Sportveranstaltung, und wose denn ehm anstatt von Antichrist Wittnberg Fans von irgndwelche Schach-Ultras uff Maul jekricht ham, und denn, det ooch noch der Bus, wo Lutz Schmächtej drinnesaß uffn Rückweg, inne Polißeikontrolle jeratn is, und auß technische Mängel nich weiterfahrn durfte, und det denn Lutz Schmächtej und seine Klubkameradn den janzn restlichn Weg na Berlin ßu Fußn latschn durften, weil keer Interesse daran ßeigte, offensichtleje Anhänger des Berliner Fußball Clubs-Dynamo ooch nur bis bis ßur nächstn Raststätte mitßunehm. Und bis Berlin warn det fündundvierzej Kilometer. Ne vollkomm sinnlose Tortur, und ohne, detse vorher wenigstns bein BFC-Spiel jewesn wärn.
Jenauso bei mir jestern.
Watt solltick machen, ick war völlich umsonst in Jugndklub jewesen, hatte umsonst die HippHOPP-Sprache jelernt, umsonst die Hosn inne Sockn jesteckt, und umsonst Ärjer mitn Soßialarbeiter jekriecht, und det hat sej ßiemlich bescheuert anjefühlt, und nutzlos und gleißeitich ausjenutzt.
Aber denn, heute mittach, bei Gritte inne Küche, da hat det sej denn doch rentiert. Ick sag nur Kohlrouladen mit richtich fülle Soße und Salzkartoffn, denn zwee Stückn Heidlberjer Kranz mit Sahne, und denn Kaffe und Eierlikör. Und mit Devid, den Motherfucker, haick mir ooch uff eemal ßiemlej jut unterhaltn könn, dit is ja ooch immerhin meen Neffe. Et kann ooch manchmal von Vorteil sein, wenn man watt Sinnloset macht.

Eine Gegend ist ein Kreis mit zwei Kilometern Durchmesser und einem Sessel in der Mitte.

Wie ich unter Wolken ging, es dann zu regnen anfing und Sommergewitter und danach die Luft gewaschen war und doch nach Morast roch und ich zu dir nach Hause kam und wir gevögelt haben, aber die Ploppgeräusche, und wie wir es sein ließen, und Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat zum Abendbrot, während draußen die Sonne unterging, und du dein Laptop auf’s Bett holtest, mich nicht mehr ansahst, der Laptoplüfter den Geruch verschmorter Plaste zwischen uns blies, ich den Fernseher anmachte, von Minute zu Minute unglücklicher wurde, dann aufstand, mich anzog, die Jacke nahm und auf die Straße hinauslief, dort eine rauchte, die Luft noch immer morastig roch, und ich abhaun wollte, aber doch blieb, nur um den Block ging, dann wieder zu dir, mich neben dich legte, und einschlief, dann aufwachte, weil das Licht noch brannte, Stunden verharrte, nie so einsam, dann die Sonne aufging, und du einen Termin hattest.

Sind mir nicht mehr egal
Die Kirschen sind mir nicht mehr egal
Nicht die verfaulten
die der Krüppel
über den Wirtschaftsweg hält
Nicht die roten
in der Krone
Nicht die nur noch
violetten Flecken
im Graupel
ihrer zertretenen Kerne
Die Kirschen sind mir nicht mehr egal
seit du weintest
sie seien es