Keiner muss sterben, damit wir leben können

„Wieso gibt es eigentlich keinen Aprikot mehr in der Kaufhalle!“ rief ich mit vorgeschobenem Kinn und wischte mir eine Zornesträne aus dem Gesicht: „Ohne Aprikot brauch‘ ich eure verfickte Freiheit nicht! Und wieso gibt’s hier nur Weichlakritz und kein Hartlakritz!“
Dann kaufte ich Eierlikör und ging spazieren. Unterwegs begegnete ich einem Baum. Ich lernte von ihm die Sprache der Rinden. Dann bog ich in die Friesickestraße, wo Bauarbeiter fleißig neue Sozialwohnungen bauen… …würden, wäre der Platz nicht schon für schicke Residenzen okkupiert, ebenso wie die anderen, ich hab sie gezählt, FÜNFZEHN Bauplätze hier im Karree. Ich glaube, der Bezirksbürgermeister Sören Benn (die Linke) ist kein verlogenes Stück Scheiße und kein Verbrecher. Es gibt schließlich keinen Widerspruch zwischen dem, was er sagt, und dem, was er tut. Meiner Meinung nach sollte man ihn auf keinen Fall vor der Brotfabrik mit einem stumpfen Ast pfählen und dabei Sperber an seinen Brustwarzen knabbern lassen.

Endlich kam ich zu Hause an. Hier war es schön gemütlich. Ich wischte einen Haufen verendeter Femen vom Sekretär und begann mit der Arbeit. Sie erschien mir von vornherein als sinnlos, aber genau das trieb mich an. Ich hatte leider zu wenig Hartlakritz und auch an Aprikot mangelte es. Den Umstand glich ich aus, indem ich mit den Füßen trappelte und abwechselnd rülpste und furzte, wobei ich nach einer Weile das Rülpsen und Furzen nicht mehr unterscheiden konnte, was dazu führte, dass ich mir, beim Versuch, eine Zigarette zu entzünden, den Arsch ansengte und meiner langgehegten Klabusterbären verlustig ging. Dabei wollte ich jene einst dem Literaturarchiv Marbach als Vermächtnis übersenden, zusammen mit den Schlüppern, dem NVA-Schlips und dem Gedicht über Esskastanien, das die Literaturgeschichte verändert hätte, wäre es besser gewesen. Aber wen interessieren schon Mindeststandards.

Ich war wegen der analen Stimulation plötzlich scharf geworden und leierte mir erstmal tierisch einen ab, wobei ich mir Damen in aufreizenden Posen objektivierte, die davon nichts wissen. Das könntest du sein, oder du – du, vielleicht auch du oder du, …oder du. Nee, d u nich! Sorry.

Als ich dem spärlichen Tropfen hinterhersah, den ich aus dem Fenster nach einer Gruppe Union-Fans geschnippst hatte, fiel mit jenem auch der Antrieb dahin und ging auf die Union-Fans über, deren schweigende Wand’rung just zum grunzenden Kriegstanz wurde, als hätten sie eine Überdosis Eisenlakritz gefressen.

Nun war ich schlaffalaffalaff, schlaffalaffalaff, aber der Tag noch nicht vorbei. Es musste noch Action her. Also setzte ich mich nochmal voll krass an den Sekretär.
Wenn ich nur ausreichend dümmliche Phrasen benutzte, vielleicht ein bisschen leichter zu verstehende Prosa schrieb und mich auch dem ziemlich schwachsinnigen, aber bis auf das totalitäre Element nicht unsympathischen politischen Konsens anpasste, wie es viele Kollegen taten, vielleicht würde es ja eines Tages doch klappen mit der Kulturförderung lol.
Draußen dämmerte es bereits. Ich trank den Eierlikör und winkte den Sperbern zu, die gegenüber auf dem Geländer des Fabrikschornsteins saßen und nach der Abendsonne blickten, als wäre sie aus Aprikot. Eines Tages wird ihnen noch eine wichtige Aufgabe zukommen, wenn sie Bock drauf haben.

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