Gigbericht

Gurkenfreak war ja mal wieder mächtig gut drauf, weil er sich vor der Fahrt acht Perpen eingepfiffen hatte. Er glubschte uns die ganze Fahrt mit geweiteten Bullern an und riß fortlaufend Witze über die vorbeiziehende Landschaft, die hauptsächlich aus Lehm bestand. Wir wollten ins SJZ Kniffenbart zu einer Juchte mit Haffhorst und den 3 Bimmbamms, und die Wahrheit ist, auch wir hatten schon mächtig gehumpert, so dass uns der Bresen paffte.
Weil Gurkenfreak pausenlos Witze wegen des Lehms riß, hatte Borstel schon Höhe Schnerf seinen ersten Wutanfall bekommen. „Ich mag Lehm!“ hatte er gebrüllt, „Sag noch einmal was schlechtes über Lehm!“ und Gurkenfreak hatte daraufhin etwas schlechtes über Lehm gesagt. Gut, dass in diesem Moment gerade der Schaffner das Abteil betreten hatte. Wir ließen ihn jedoch am Leben.
Umso weiter südlich wir kamen, desto mehr veränderte sich die Farbe des Lehms, so dass auch Gurkenfreak bald meinte, so schlecht sei die Landschaft gar nicht. Da beruhigte sich Borstel vorerst und aß ein paar von den Krusten, die ihm der Arzt verschrieben hatte.
In Schnarchen, wo wir nach Kniffenbart umsteigen wollten, fing Borstel jedoch auf dem Busbahnhof schon wieder Streit an, und zwar mit einer Schulklasse. Er hat für solche Gelegenheit immer seinen beißwütigen Otter dabei, König Steif, der mit Borstel in charakterlicher sowie äußerlicher Hinsicht viele Eigenschaften teilt. Nicht nur die Tollwut. Nachdem König Steif etwa 5 Minuten lang in der Schulklasse gewütet hatte, kamen zwei Bahnhofspolizisten, die sich total darüber freuten. Die Sechstklässler hätten schon den ganzen Tag über am Busbahnhof randaliert und Papier fallen lassen. Da sei es gut, dass mal jemand käme, der denen ihre Grenzen aufzeigte. Als die Polizisten auch noch hörten, dass wir nach Kniffenbart zur Juchte wollten, schenkte einer der beiden Borstel seine Dienstwaffe, eine original Fratzenknecht .45k. Die Polizisten in der Gegend sind wie wir allesamt große Fans der 3 Bimmbamms, und wir Bimmbamm-Fans sind eine eingeschworene Gemeinschaft.
Nicht ohne dabei mächtig einen zu humpern, fuhren wir mit dem Bus durch das Lehmgebirge bis ins Kniffenbart-Tal, wo sich zwischen mehreren 8000er Lehmbergen das kleine Örtchen Kniffenbart befindet, das ganz aus Lehm besteht und Kennern der Sprallmusik seit Jahren ein Begriff ist, ja vielen sogar als Mekka der Sprallmusik überhaupt gilt.
Während sich Borstel mit ein paar Rentnern prügelte, die an der Bushaltestelle auf den Tod warteten, machte ich mich zusammen mit Gurkenfreak zum SJZ auf, um schon vor dem Konzert einen Blick auf die 3 Bimmbamms zu werfen. Ich kann nur sagen, einfach göttlich! Es ist immer wieder ein besonderer Moment, die Bimmbamms zu treffen. Gerhard und Bernd Bimmbamm hatten wieder ihre karierten Schnorste angelegt und Bernd Bimbamm trug auf jedem seiner drei Köpfe eine andersfarbige Joe-Carrera-Mütze, Sabine Bimmbamm, die gute Fee der Band, gleichzeitig Mutter, Ehefrau und Schwester von Gerhard und Bernd, fuhr kurz danach in ihrer Spregowskikutsche vor, die von 8 feurigen Kalupsen gezogen wurde. Das war ein Hallo! Gerhard und Bernd verteilten freigiebig Fingernägel, damit jeder etwas zum Knabbern hatte. Dann warf Sabine Bimmbamm ihr Gebiss in die Menge, worauf natürlich ein großer Tumult entbrannte, denn jeder wollte einen Zahn davon abhaben. Erst als plötzlich Schüsse fielen, klärten sich die Eigentumsverhältnisse. Borstel war eingetroffen, und es gab keinen Zweifel, Sabine Bimmbamms Gebiss gehörte ganz alleine ihm.
Um neun begann die Juchte, und Haffhorst fingen an zu spielen. Aber bis auf König Steif und ein paar Hunde interessierte sich niemand für den Beat. Pawnetzke-Blues ist ja sowas von von vorgestern. Gurkenfreak, der sich 4 weitere Perpen eingeworfen hatte, nutzte natürlich die Gelegenheit, sich über die Band lustig zu machen, indem er vom Bühnenrand aus mit Knorpeln warf.
Nach einer Dreiviertelstunde endlich kamen die 3 Bimmbamms an die Reihe
Schon das erste Lied, „Schlupfsulz in Schafsaspik“ brachte uns die Bresen zum Knastern.
Dann ging es Schlag auf Schlag: Piffte Piffte Piffte, Rosis Rosettentango, Sprallrebell, Iltis aus Paris, Kirschkern im Auge, – die ganzen alten Hits – das Publikum kannte jeden Liedtext auswendig, sogar König Steif und die anwesenden Hunde grölten alle Textzeilen Wort für Wort mit, Bernd Bimmbamm trommelte mit seinen Köpfen neun Schlagzeuge zu Schrott, wir waren außer uns, und als die 3 Bimmbamms zur Zugabe noch einmal Piffte Piffte Piffte anstimmten, flossen sogar Borstel die Tränen.
Dann kam der Regen. Ein warmer und heftiger Frühlingsregen mit Tropfen wie Ozeanen. Die Lehmberge rund um Kniffenbart lösten sich auf, wir wurden eins mit dem Schlamm und trieben, nicht ohne dass Gurkenfreak darüber ein paar Witze riß, mitsamt der Landschaft nach Norden über Schnarchen und Schnerf hinweg über das Land und hinterließen das, was immer hier gewesen war, nämlich nichts als Lehm. Erst kurz vor Königs Wusterhausen ebbte die Lawine ab, so dass wir absteigen und nach Hause gehen konnten.
Auch für dieses Jahr kann man nur sagen: Eine Juchte der Sprall-Musik. Und wenn im nächsten Jahr die Kniffenbärter aus dem Lehm der Gegend neue Behausungen errichtet haben werden, werden auch Gurkenfreak, Borstel, König Steif und ich dorthin reisen, wenn es wieder heisst: Humpern auf die Bresen drauf, die 3 Bimmbamms spielen auf!
Aber für jetzt, für das was noch zu sagen ist, ist leider keine Zeit mehr. Ich muss Krusten besorgen, denn Borstel wirft schon wieder Napalm aus dem Fenster.

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