Heinz Krösus liegt seit mehrere Minutn uffn Teppich*

*dieser Text als Beispiel, wie es nicht geht. Er ist viel zu lang, total kompliziert, und man merkt an jedem zweiten Satz die falsche Erzählhaltung. Dementsprechend laut war das Gähnen im Publikum, als ich ihn vorlas. Komisch, dass ich das vorher nicht gemerkt habe. Nagut, die Hälfte des Textes hab ich bekifft geschrieben, was man auch an den Rechtschreibfehlern merkt (ich weise hiermit diesbezüglich auf die grandiose Wortschöpfung „Enttschäuscht“ hin). Manchmal lache ich dann zu viel über meine eigenen Witze, und merke nicht, dass sie überhaupt nicht transportiert werden.
(Achja, und die „Timoschenkos“ hab ich von Ahne geklaut, aber nur, um ihn damit zu grüßen)

Hallo, Heinz Krösus det bin ick, und ick liege seit mehrere Minutn uffn Teppich. Ick hab mich nich mit Absicht hier hinjelegt, ick bin hinjefalln, wobei et schon sein kann, dettick mit Absicht hinjefalln bin, also von so´ne Art Absicht her, die man selber janich weeß in Kopp. Det meeßte, watt man macht, weeß man ja nich. ßum Beispiel Jehn. Wenn man jeht, dann weeß man det nich, man jeht einfach, wobei det eigntlej ooch so´ne Art Falln is, nur det man sej, bevor man uffn Bodn uffklatscht, mitn Fuß rechtßeitej abfängt, und dieser Teil von Jehn, is bei mir ebn numa ausjefalln, nich, weilick vonne Motorik her ne Panne jehabt hätte, sondern weilick mitn SanscoussiLatschn anne Teppichkante hängjebliehm bin. Man hebt ja die Füße nich, wenn man mit SanscoussiLatschn looft, da looft man nich, da jeht man ooch nich, da latscht man denn, oder schlurft und Latschn oder Schlurfn jeht nur, wenn die Strecke, die man ßurücklegt, absolut ebn is, also Null, wie in Sanscoussi der Marmorfußbodn, – und so´ne Teppichkante is nu mal größer als Null, watt die Höhe betrifft, und da binnick denn jestolpert und jetzt lie’ick hier uffn Teppich deswegn.
Und, ehrlich jesacht, det jefälltma hier. Ick hätt ja ooch uffstehn könn längst und die blödn SanscoussiLatschn ausn Fenster werfn, die wolltick ja sowieso nie ham, die sind mir ja uffjeßwung wordn von meene letzte, ick nennt jetzma Lappalie, Mingjungfong, die son Sauberkeitstick jehabt hat, von den ick fast irre jewordn bin.
Det haick ja vorher nich jewußt, wieick die kennjelernt hab in ihrn Orientnladn inne Langhansstrasse. Da hatse ja bloß immer hinter Kasse jesessn un zun Fernseher ruffjekieckt, der da über die Einjangstüre hängt, und hat janich mitjekriecht, wer bei ihrn Orientnladn inn und ausjeht, selbst bein Kassiern hatse immer nur über een rüberjekiekt, mit son abwesendn weltverjessnen Blick ßun Bildschirm, chinesischet Staatsfernsehn, Schlagerrevuen aus Schanghai hauptsächlej, mit janz plärrijen Jesang oder Reklame für Fälschungn von klobije Armbanduhren.
Ick bin ja in den Orientnladn bloß rin, wenn ick ma wieder Wasabi-Erbsn jebraucht hab, ick wohne janz obn, da kann det eehn schon uffn Sack jehn mit die Vögel draußn uffn Balkon und sowat wie Privatsphäre kenn die ja nich und von Toxoplasmose ham die ja ooch noch nie jehört wahrscheinlej, da haick einfach nachne Weile immer Wasabi-Erbsn ausjelecht, also jetrocknete Erbsn mit Meerettich drumrum, und da hamse denn mit meim Balkon irgndwann schmerzhaftn Stuhljang assoziiert und sich lieber bei Timoschenkos uffn Balkon jesetzt, ooch wenn der bloß Stiefmütterchen hat, und Petersilie, und so´ne Dose Wasabi-Erbsn, die reicht numa die halbe Saison, und da warick natürlej für Mingjungfong als Kunde und schonjarnej als Mensch ooch nur ansatzweise überhaupt vorhandn, aber denn is da in Orientnladn wiederma meen Schwager Lutz Schmächtej rinnjestolpert, der jrade bein BFC jewesen war, Derby jegn Langeweile Wilmersdorf, wo Langeweile kurz vor Schluß noch´n Ausgleich ßun siebßehn ßu siebzehn jeschafft hat, und det, obwohl BFC laut Lutz Schmächtej janz klar die überlegene Mannschaft jewesn war, und da war denn nach Abfiff der janße BFC-Pulk mit Lutz Schmächtej mittnmang uff Spielfeld jerannt um det Erjebnis ßumindest moralej wieder richtejßustelln, womit logischweise die beedn Langeweile-Ultras nich einverstandn warn, die ihre Mannschaft bis Köpenick begleitet hattn, aber watt solltnse machen ßu ßweet jegn vierhundert, und da hamse ihrn Anwalt anjerufn, und der hat innerhalb von fünf Minutn ne Einstweilje Verfügung erwirkt, die denn über Stadionlautsprecher vorjelesn wurde, dettet Anhänger des BFC-Dynamo bis uff weiteres nich mehr erlaubt sei, weiterhin mit Holzlattn uff die Köppe der Spieler des Sportclubs Langeweile Wilmersdorf einßuschlagn, und in dem Oognblick, da hatte Lutz Schmächtej schon irjndwie den Gloom an Rechtsstaat verlorn, aber watt solltense machen, also is er jenau wie die andern von Spielfeld jetrottet, und war, so wie er et ausjedrückt hat, Enttschäuscht vonne Bundesrepublik Deutschland, und da hatter sej denn vorjenomm, sich det nichmehr jefalln ßu lassn und n ßeichn ßu setzn und Amok ßu loofn, und is denn, alßer wieder in Weissnsee war, ersma na Hause jeloofn um det Luftjewehr ßu holn, und denn Langhansstrasse in Orientladn, um Kastn Bier und ßwee Flaschn Nordhäuser Doppelkorn ßu koofn, wer jeht schon jerne nüchtern uff Amok, – aber in Orientladn hattense nur Chantré, und weit und breit keen Nordhäuser Doppelkorn, und da is Lutz Schmächtej ßiemlej wütnd jewordn uff den Orientnladn, hat druff verßichtet, den Kinderjartn inne Streustraße ßu stürmen, und sej glej an Ort und Stelle verschanzt. Det Problem war nun, det jrade an den Tach Mao-Tse-Tung Jeburtstag hatte und Mingjungfong ausschließlej Oogn fürn Fernseher, also für die Jroße Kostümjala uffn Platz des Himmlischn Friedns und, weilse so jebannt in Fernseher jekiekt hat, da konnte Lutz Schmächtej mit seim Luftjewehr rumfuchtln wie er wollte, jegn die Wirbelnden rotn Röcke vont uigurische Volkstanzangßambl isser einfach nej anjekomm, also hatter sej ersmal uffn Bierkastn jesetzt und ne Pulle Chantré uff Ex, watt andret jabs ja nich, und jewartet, det der Karneval da inne Glotze zun Ende kommt, aber wiet numal so is mitte Chinesn, die feiern ja immer glej ßehntausnd Jahre, also in übertragnen Sinne jetz, und Lutz Schmächtej blieb nischt andret übrej, als sich ne neue Flasche Chantré ßu greifen und denn noch eene und denn noch eene, und dit obwohl er schon die dritte nich mehr uff Ex jeschafft hatte, und denn die janße ßeit dieses Didelelidelit von die janzn chinesischn Bratschn, da hatter denn erst so Müdichkeitsßuckungn jekriecht, und is denn von eem Moment ßun andern janz wegjesackt, und denn, wohl weil sein Körper numa nich vollständich die Kontrolle verliern wollte, hat sej der eene Finger von Lutz Schmächtej versucht, an Abßuch von Luftjewehr festßuhaltn, und den runterjeßogn, und da hat sich natürlej in Schuss jelöst, und det Jewehr stand in son unjünstjen Winkel, dettet Diabolo voll Karacho in den Satellitnrießiever jekracht is, der Feng-Shui-Mäßej direkt uffn Fernseher über die Einjangstür jelegn hat, und dit jrade während die traditionell besonders harmonej und farbenfroh arrangierte Hinrichtung der üblichn ßwanßej Regimekritiker, watt für viele Chinesn den Höhepunkt von den Mao-tse-Tung-Festlejkeitn darstellt, und da hat Mingjungfong plötzlej bloß no Schnee inne Antarktis jesehn und iss natürlej, nachdemse ersma ßirka ßwee Minuten doof inne Röhre jekiekt hatte wien Schwein int Uhrwerk, komplett ßurückjerutscht inne Wirklejkeit und, wiese mitjekricht hat, det sej Lutz Schmächtej in ihrn Ladn befindet, und denn ooch noch den janzn Chantré ausjesoffn hatte, komplett kungfumäßej ausjerastet, und hat nich nur Lutz Schmächtej ßerlegt, sondern gleichßeitej ooch noch die halbe Ladneinrichtung, und wiese damit fertich war, hattse plötzlej n Matrielln jekriecht und die Taschn von Lutz Schmächtej durchwühlt, wo se denn neben der abjerissnen Eintrittskarte von BFC jegn Langeweile bloß noch Lutz Schmächtej sein Handy jefundn hat, und die eenzje Nummer da in Speicher, det is numa meene und da hat bei mir numa kurz darauf det Telefon jeklingelt und denn hießet Schimpftirade aushaltn, wobei ick die janße ßeit natürlej keen eenßjet Wort verstandn habe, aber schon dettet wohl irgndwie chinesej war und weil ick an Display jesehn hab, dettet Lutz Schmächtejs Handy war, und gleichßeitej wußte, det Lutz Schmächtej den Chinesischn nej mächtej is, und vonne Uhrßeit her BFC schon vorbei war, haick sherlockmäßej jeschlußfolgert, det der Anruf wohl ausn Orientnladn kommn mußte, wo Lutz Schmächtej immer nachmittags nach Heimspiele rinnjeht, um Nordhäuser Doppelkorn ßu koofn, obwohlet da nur Chantré jibt. Obwohl vonne Lautstärke davon ausßujehn war, det in Orientnladn janzschön die Kacke an Dampfn war, und obwohl eigntlich jrade jarkeene ßeit hatte, weilick jrade ausn Fenster jekiekt hab, haick mir denn trotzdem uffjerappelt, um ma nachn rechtn ßu sehn, und wie ick in Orientnladn eintreffe, seh ick da Lutz Schmächtej mit Luftjewehr inmittn von leere Chantréflaschn liegn, der janße Fußbodn voll von Wasabi-Erbsn und anne Wand die kleene Mingjungfong mit Trän inne Ooogn, wiese mir ihrn Satellitnrießiever hinhält. Nun binnick ja keen Elektrofritze, aber dettet Ding kaputt war, det war janz eindeutich ßu erkenn an dem Loch inne Frontseite, det hat mir da schon leidjetan, ick meene, ick wußte ja, dettet Mädchn abhängich war von chinesischet Staatsfernsehn, so wie Lutz Schmächtej von Nordhäuser Doppelkorn oder ick von außn Fenster ßu kieken, und da ick ßu Hause über een funktionstüchtjen Satellitnrießiever verfüje, haick Mingjungfong anne Hand und mit na Hause jenomm, haick ihrn Sessel hinjestellt inne Küche, und Fernseher, und paar Wasabi-Erbsn daßu, Friede Freude Eierkuchn.
Erßma jenfalls. Fürn paar Tage. Watt ick aber vorher nich wußte war, dettet chinesische Staatsfernsehn inne Nacht den Sendebetrieb instellt, also watt in China Nacht is, und bei uns Mittach, und det Mingjungfong, um det Nichvorhandnsein von uigurische Tanzangsambels ßu kompensiern, jenau in die ßeit immer n irrwitzjen Putzfimml entwickelt, wahrscheinlej hatte deswegn um die Uhrßeit ooch immer der Orientnladn ßujehabt, und det nu, nach ner Woche oder so, meene Wohnung aussah wie jeleckt, so dettick mich janich mehr jetraut hab, mich irgndwie ooch nur von eem Fleck ßun Andern ßu bewegn, in joldnen Käfej soßusagn, und det haick wirklej nich ausjehaltn, und hab mich inner Küche jestellt und jesacht: So Mingjungfong, so jehtet nich weiter! Ick kann ja in meene eigne Bude nich mehr loofn!
Ick wees nich, wieset jemacht hat, aber an nächstn Morgn denn lagn bei mir vorn Bett die beedn SanscoussiLatschn, mit den´ ick mich denn ersma abfinden musste, ick hab mich da so einjefügt in Schicksal, ohne, det ick watt dajegn ßu unternehm jekonnt hätte, reine Jewöhnung, – Aber denn, vor ßwee Wochn, hamse plötzlej die janße Satellitnscheiße uff Digital umjestellt, und ick hatte von eem Moment ßun andern keen Empfang mehr. Watt sollick sagn, ick jeh in die Küche, Küche leer, keene Mingjungfong mehr da, nur noch paar Wasabi-Erbsn, und det eenzje, watt jebliem war, warn die SanscoussiLatschn. Und, Macht der Jewohnheit, binnick mit den bis ehm inne Wohnung rumjelatscht, oder jeschlurft von mir aus, und denn binnick über die Teppichkante jestolpert.
Tja, und jetzt lieg ick hier seit mehrere Minutn uffn Teppich. Is eigntlej janz anjenehm, so allet von untn ßu betrachten. Is jut, wenn man ma ne andre Perspektive hat. Ob ick Mingjungfong jemals wiedersehn werde, wiet Lutz Schmächtej jeht, und ob er ausreichnd Nordhäuser Doppelkorn kricht in Knast, ob die Vöjel nebenan die Timoschenkos mit Toxoplasmose anjesteckt ham, ob der BFC-Dynamo inne ßwölfte Stadtliga uffsteigt, oder ob ick je wieder uffstehn werde, um ausn Fenster ßu kiekn, det wees ick allet nich.
Aber eens weeßick. Det Leben jeht seltsame Wege. Ach nee, det weeßick ooch nich.

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