Heinz Krösus is so ßiemlich entspannt

von konrad71

Hallo, Heinz Krösus det bin ick und ick bin so ßiemlich entspannt. Normalerweise bin ick ja eher nich entspannt, weil, man wird ja nich in Ruhe jelassen die janße ßeit, ßum Beispiel von die Ämter, wenn die watt wolln, wo et schon deswegn nervt, weil man eigntlej janich wees, w a t t die eigntlej wolln, oder von Frauen, die ihre eigene Juckichkeit nich mehr unter Kontrolle ham, und denn een uff lustje Witwe machen, jedn Tach hundert Mal anrufn, Heinzi komm ma rüber, ick hab Schnapspralin. Jerade jetz, wo ick ja ooch berühmt bin, wegn meine anjeblije Heldntat, – ick hätte den Bürjermeister vielleicht doch nich auße Spree rettn solln, is ja schließlej nich meene Anjelegnheit, wenn der sich vollpumpt mit Kokain und Rotkäppchen-Sekt, und denn ne Runde mitn Motorboot dreht, mittn ßwischn die Touristnkähne, aber ick hab ja nich jewußt dettet der Bürjermeister is, der war ja nass und da sieht man anders aus als trockn, mehr wiene Robbe, wenn ick det jewußt hätte, hätt ich nich ma n kleen Finger, ach watt red ick, dit war überhaupt ßufall, dettick in die Jegnd jewesn war, da mank Museumsviertel, ick kenn ja die janzn Museen schon, nee, ick war nich wegn Marmorsäuln da, der Grund war Trödlmarkt, weilick die janzn Schlüpper loswerdn wollte, die sie so anjesammelt ham, seit die Waschmaschine kaputt is, also Trommelschadn jetz, und in Fernsehn warn Bericht jekomm, dettet in Japan an Bushaltestellen in Tokio und Bahnhöfen von Shinkansen-Express so´ne Art Kaujummiautomatn jibt, nur für jetragene Schlüpper eehm, wo die Japaner sowat denn koofn, weil die eehm numa jerne an jetragene Schlüpper dran riechn, und da haick mir jesacht, Heinz, haick jesacht, da wirste die altn Lappn doch no los, und der Trödlmarkt in Museumsviertel, dit is ja jarkeen richtjer Trödlmarkt, dit is mehr ne Touristnfalle, für die, die außn Perjamonmuseum komm und no keen Souvenir ham, und da sind ooch Japaner mit bei, und dahaick son Stück abseits, wo man keene Standmiete mehr beßahln muss, direkt anne Spree an Jeländer, n Handtuch ausjebreitet und meene Schlüpper druff drapiert, und gerade, wie ick die erstn Japaner jesichtet hab, jeht hinter mein Rückn, also unten vonne Spree her, ein riesen Jeschrei los, und wie ick mir umdrehe, um ßu kieken, seh ick, det det Jeschrei von son Rentnerpulk uff de Balustrade von een von die Touristendampfer kommt also von det Deck oben druff, Oberdeck, jenau, Oberdeck, und die ßeigen alle in eene Richtung, won umjekehrtet Motorboot in Wasser liegt und danebn in Mann mitn Armen fuchtelt, wo det ma nich so aussah, als wenner nur winkn täte, und nache erste Schrecksekunde denk ick: Wieso machn dien nischt? Jut, im Nachhinein haick mir jedacht, vielleicht wußtn die det ja, dettet der Bürjermeister is, kann ja sein, detter vorher von sein Motorboot een uff volkstümlej machen wollte und den Rentnern staatsmännej zujewunkn hat, und det die Rentner ausn Altnheim kommen hier inner Stadt, wo davor seit ßwanßej Jahren die Jehwege nich jemacht wurdn, dettse nich soo jut ßu sprechn jewesn sind uff den, – aber denn hättense ooch nich rumschrein müssen und fremde Leute mit rinnßiehn, et blieb mir ja nischt andret übrej, eener musstet ja machen, und schließlej haick nich umsonst Schwimmstufe 3, also haick mir die Schuhe ausjeßogn, bin an Jeländer runterjehangelt, hab mir int Wasser falln lassn und hab den Mann anne Mole jeßogn, heilje Scheiße haick jedacht, ick hab wen det Lebn jerettet. Aber wie ick denn wieder hochjeklettert war, um, wegn Abtrocknen, det Handtuch ßu holn, wo ick meene Schlüpper druff anjebotn hatte, da war keen einzjer mehr dajewesn von die Schlüpper, und von die Japaner war ooch nischt mehr ßu sehn. Wenigstens hattenset Handtuch liegnlassen.
Det warn Trara, als det rauskam, dettet der Bürjermeister war, den ick jerettet hatte. Titelbild uffe Schweine-BZ: Heinz Krösus, Held des Tages, soja die Ehrnbürjerschaft von Wilmersdorf hamse mir anjebotn – soweit kommts no, den Präsentkorb vonne SPD, erbärmlej, Knäckebrot und Johannisbeersaft, den hattick in ßehn Minutn leerjefressen, aber wegn det Titelbild, da war ick plötzlej Mode jeworn bei weibliche Jeschlecht, und die ham mich bis vor Kurzn nich in Ruhe jelassn. Die meistn von den sind ßwar leider vonne SPD jewesn und vonne Art so ähnlej wie der Präsentkorb, aber eenßwee Wochn haick det schon ausjenutzt, jeb ick ßu. Ick meene, da war ick jahrelang uffe Pirsch und denn kommt dir plötzlej ne ßiegnherde vor die Flinte, hallijalli wär ßwar watt andret jewesn, warn schließlej magere ßiegen, aber man muss die Feste feiern wiese komm, und möglichst noch bevor se jehn.
Meen Schwager Lutz Schmächtej, der verpaßt ja oft den Moment, wenn die Feste vorbei sind, und det is meisten ßiemlich unvorteilhaft. Bei der großn BFC-Gala, Ende April, ßum Beispiel, in Mehrßweck-Würfel Hohenschönhausen, mit Wolfgang Lippert, hatte Lutz Schmächtej, obwohler bereits n halben Kastn Berliner intus hatte, bein Torwandschießn ne Flasche Absinth jewonn und war denn, alßer die ausjetrunkn hatte, uff ne Speckscheibe ausjerutscht, und mitn Kopp in die Weinbrandbowle jeratn, wodrin er denn wohl mächtich nach Luft jeschnappt ham soll. Die andern Fans hattn ihn denn mit Jägermeister und Doppelkorn sojut et eehm jing wieder ßurechtjepäppelt aber denn det Interesse verloren, weil keene vernünftje Konversation mehr möglich jewesn war, und Lutz Schmächtej hat alleene uffn Stuhl jesessen und is nach ne Weile, ohne detdet irgndwer bemerkt hätte, so nach und nach untern Tisch jerutscht und da denn einjepennt. Alßer ßwee Tage später wieder uffjewacht is, war in gleichn Räumlejkeiten jerade die Jroße 1.FC-Union-Sause mit Achim Mentzel, aber Lutz Schmächtej hattet erst nich jeschnallt, weiler nich mitjekricht hatte, detter einjepennt war und wahrscheinlich wegen den Absinth seine Umwelt bloß noch verschwomm warjenomm hatte, und da sind denn die Jesänge, die er von sich jejehm hatte, nich mit den nötijen Respekt honoriert worden, kurzum, man hat ihn mitn Kopp in die Wermuth-Gin-Bowle jetunkt und denn draußn inne Mülltonne jesteckt. Nich dettet Lutz Schmächtej in den Moment no besonders fülle ausjemacht hätte, aber vorteilhafter wärt jewesn, wennet ihm bewußt jewesn wäre, wann det Fest ßuende is.
Und deswegn, weil jetz ooch ma langsam jenug is mit weibliche Jeschlecht, ick kann schon keene Schnapspralin mehr sehn, haick vorjestern meen Telefon ausse Buchse jeßogn, und da ick den Briefkastn oo nich mehr uffmache, werdick ßudem ooch nich mehr von Ämtern belästigt.
Jetz sitz ick hier, draußn uffn Hof, und bin so ßiemlich entspannt. Ick wees nich, watt die ßukunft bringt, ob denn die Vögel no sing, ob irgndwer meene Waschmaschine repariert, ob ick noch ne Frau finde, die nich so is wie Knäckebrot mit Johannisbeersaft, oder ob Lutz Schmächtejs Organismus mit die Schweineleber klarkommt, die se ihm verpasst ham, obick irgndwann aus Japan Fanpost wegn meene Schlüpper erhalte, det allet wees ick nich.
Aber eens wees ick: Die ßukunft, die wird erst no passiern!

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